Die Hühner und ich.

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich aufs Huhn gekommen bin. Ich glaube durch meine erste Clickertrainerin Antje Tjarks, die irgendwann erwähnte, dass sie zum Hühnertraining fahren würde. Ich habe geguckt wie alle:“Was, Hühner?“ Vergessen habe ich es nie und so war es letztes Jahr auch für mich so weit. Modul 1 habe ich geschafft und die Hühner haben mich in ihren Bann gezogen.

Denn die Hühner machen bessere Trainer aus uns. Sie sind schnell, interessieren sich eigentlich nicht für uns und schubsen können wir sie auch nicht. Sie „zwingen“ uns also an uns selbst zu arbeiten, denn wenn wir Murks machen, stellen sie einfach die Arbeit ein.Hier kann ich mir nicht mit einer Gerte, mit Sporen oder Knotenhalfter helfen. Und wie gern möchte ich all das auch am Pferd weglassen.

Ich habe schon immer gern Freiarbeit gemacht. Doch wirklich frei war sie nie, Herr Pferd hatte nur wenig Lust darauf. Wie oft musste er sich das „Join Up“ über sich ergehen lassen…ach, hätte ich doch damals schon mehr gewusst. Aber seit dem Clickern ist unsere Freiarbeit traumhafter Dauerzustand geworden. Und wenn Herr Pferd keine Lust hat, dann weiß ich, dass ich ihm keinen Spaß mache. Und das ist nicht in Ordnung. Ich will ja auch Spaß mit ihm haben. Also soll er auch Spaß mit mir haben.

Jedenfalls war ich dieses Jahr wieder Hühner füttern. Fünf Tage lang durfte ich von Nina Steigerwald lernen und mich dazu nöch verwöhnen lassen. Zu den Modullehrgängen kann man sich voll auf seine Kopfarbeit konzentrieren, da für Wärme und leibliches Wohl gesorgt wird. Und für das Kopffutter sorgt Nina, immer im Wechsel mit vielen Praxiseinheiten.

Als ich anfing zu clickern, hatte ich die Grundtheorie nochmal aufgefrischt, die wir auch schon in Biologie hatten. Also klassische und operante Konditionierung. Das hat auch eine Weile gereicht, aber irgendwann kommt man an den Punkt wo man komplexere Dinge oder Ketten trainieren möchte. Und da geht es ja los mit den Fehlern und dem Nichtwissen wie kleinschrittig die Aufgaben sein können. Das fällt mir nach wie vor am schwersten, die Zwischenschritte erkennen oder Schemata in die ich hineinrutsche zu verändern. Warum wird mein Pferd auf einmal unhöflich oder warum wird das Verhalten schlechter? In der täglichen Arbeit fällt es mir oft schwer, die Zeit zum beobachten zu haben. Meist komme ich erst Abends dazu, darüber nachzudenken. Aber für den nächsten Tag gilt: Trainiere nicht das Tier von gestern! Wo setze ich denn nun aber an?

Das ist sehr spannend an den Hühnern zu beobachten. Mal bin ich Trainer, mal Co-Trainer, ich werde beobachtet und mal kann ich beobachten und entdecke dabei auch Dinge, die ich auch mache. Wackeln, zucken, lächeln, immer wieder das gleiche clicken, das falsche clicken…die Liste ist endlos. Aber je mehr einem auffällt, je mehr man ändert, desto besser wird es. Total verblüffend: Ändere dein Verhalten, dann wird auch dein Tier sein Verhalten ändern! Das sollte für alle Arbeiten am Tier gelten, auch wenn man nicht clickert.

Wie verändert man Verhalten? Wir müssen es beobachten, aufschreiben und uns genau die nächsten Schritte überlegen. Trainingspläne und wie wertvoll sie sind, habe ich auch die Tage bei Nina erfahren. Einfach drauf los trainieren hat einfach mal gar nicht funktioniert!

Und wozu sind Pläne da? Um sie zu ändern! Also beobachten, feststellen und reagieren. Ziemlich wahrscheinlich muss man wieder alles aufschreiben. Ich konnte so viel genauer meine Schritte planen und viel besser trainieren. Das war positive Bestärkung für mich und mein Tier. Da setze ich also an. Am Pläne schreiben, wenn-dann-Situationen formulieren und nächste Schritte planen.

Nochmal zurück zu Nina. Was ich bei ihren Kursen sehr toll finde ist, dass sie es schafft mich so viel selber erfahren zu lassen, ohne Frust dabei zu bekommen und am Schluss doch das Ziel zu erreichen. Ich habe also fast alle Fehler gemacht, wieder ausgebessert und mein Huhn hat sich am Schluss immer noch dahin bewegt wo ich wollte.“ Guck auf die Füße, wenn du sehen willst, ob dein Huhn sich bewegt!“ – Nina Steigerwald-

Nun bin ich motiviert und voller Wissen wieder zurück und versuche Hund und Pferd um Pylonen eine 8 laufen zu lassen. Mir begegnen spontan altbekannte Fehler wieder. Sehr amüsant.

Auf das wir unseren Tieren bessere Partner werden!

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3 Gedanken zu “Die Hühner und ich.

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